Ein magischer Ort für Kaffee: die Sierra Nevada


Als ich zum ersten Mal die Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta, Kolumbien,
in dem hellen äquatorialen Morgenlicht sah, war ich von ihrer Majestät überwältigt.

Vor ihr erstreckte sich das karibische Meer. An ihrem Fuße lag die malerische Küstenstadt Santa Marta.
Ihre üppig bewaldeten Abhänge breiteten sich scheinbar endlos in die Höhe.
Erst irgendwo dahinten, in der Ferne, konnte man die leuchtenden Schneekrönchen der Gipfel,
die fast 6.000 Meter erreichten, erkennen.

Von der Bergkette Sierra Nevada sieht man das karibische Meer.

Meine Verlobte und ich waren damals, Oktober 2018, auf einer 14-monatigen Weltreise und hatten gerade das Karibische Meer mit einem Segelschiff überquert. Durch Zufall hat uns eine gute Freundin von der Kaffee Kooperative Red Ecolsierra in ▽ Santa Marta erzählt. Da wir riesige Kaffee-Fans sind (besonders von richtig gutem Flat – einer Cappuccino-ähnlichen Kaffeekreation mit doppeltem Espresso und aufgeschäumter Milch), machten wir uns auf den Weg dahin.

Marija und ich während unserer Weltreise.

Das spannende Projekt


Und hier waren wir. → Es war 9 Uhr morgens und wir standen erwartungsvoll in unserer Weltreiseuniform – T-Shirt, kurze Hosen, Sonnenhut, riesiger Wanderrucksack, und erschöpftes aber glückliches Lächeln – vor dem Büro der Kooperative. Víctor Cordero – Geschäftsführer der Kooperative und selbst Kaffeeproduzent – empfing uns mit offenen Armen. Innerhalb kürzester Zeit erklärte er uns die theoretischen Grundlagen der Kaffeeproduktion, stellte uns der ganzen Belegschaft vor, und überlegte sich ein Projekt für uns. Wir waren sofort überzeugt und nahmen sein Angebot an, für einen Monat bei der Red Ecolsierra zu bleiben.

„Unser Netzwerk der Bioproduzent*innen in der ▽ Sierra Nevada de Santa Marta (abgekürzt auf spanisch als Red Ecolsierra) ist ein Fairtrade-zertifizierter Zusammenschluss von ca. 400 Bauernfamilien in sieben Regionen der Bergkette.

Er hat das Ziel, Fachwissen zu verbreiten, die Kaffeequalität zu steigern,
und die Vermarktung des geernteten Produkts zu ermöglichen.“

Als ich das hörte, dachte ich mir: „Klingt interessant, aber wie kann ich mir das in Wirklichkeit vorstellen?“
Genau das sollte der Kern unseres Projekts werden → diese unpersönlichen Fakten mit Leben zu füllen.

Ein milder, hochwertiger Kaffee


Ich verbrachte viel Zeit oben in den Bergen, umgeben von Kaffeeplantagen und stellte fest, dass ich viel weniger über Kaffee wusste, als ich dachte. Zum Beispiel war ich überrascht, dass die Kaffeepflanze ein Baum und kein Busch ist.

Schon damals wurde mir klar → die nächsten Wochen würden spannend, anstrengend, und lehrreich für mich sein. Die Mitglieder der Kooperative, bei denen ich meinen Kaffeeeinsatz absolvieren durfte, erlaubten mir einen tiefen Einblick in ihren Kaffeealltag.

Die Kaffeekirschen wechseln ihre Farbe innerhalb von Tagen von grün zu dunkel-rot.

Zufällig hatte ich genau die richtige Jahreszeit erwischt, da die Kaffeeernte gerade in vollem Gange war. Ich half bei dem Pflücken, Fermentieren, Waschen, Trocknen und Transportieren des Kaffees. Abends, umgeben von entspannenden Geräuschen des tropischen Urwaldes, hatten wir Zeit zu reden. Ich erfuhr dabei, dass die Kooperative Red Ecolsierra nicht nur ihre Mitglieder finanziell und organisatorisch unterstützt, sondern auch politisch und sozial.

So hatte sie während des Bürgerkriegs ihren Mitgliedern geholfen, ihre enteigneten Grundstücke zurück zu gewinnen. Diese Anbauflächen wurden jahrelang als Drogenplantagen ökologisch ausgebeutet und erst mit Hilfe der Kooperative wieder in biozertifizierte Kaffeeanbauflächen umgewandelt.

Dafür hat die Red Ecolsierra den nationalen Preis „Frieden unternehmen“ in 2017 gewonnen.

Eine weitere ungewöhnliche Leistung ist die Ausbildung der Kinder der Kaffeeanbauer zu Kaffeeproduzenten. Wenige Jugendliche stellen sich das Leben hoch in den Bergen vielversprechend vor. Die Red Ecolsierra will ihre Perspektiven verbessern.

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